Was verraten Herzschlag und Schlaf über unsere Gesundheit von morgen?

Team der Medizinischen Informatik auf der Computing in Cardiology Konferenz in Madrid.

Bei der 53. Computing in Cardiology Konferenz (CinC) 2026 die vom 20.bis 23. September in Madrid stattfindet, ist das Institut für Medizinische Informatik mit zwei Arbeiten vertreten. Beide drehen sich um eine einfache, aber erstaunlich ergiebige Frage: Steckt in Biosignalen vielleicht mehr Information, als wir bislang nutzen? Gemeinsam mit Lennart Graf stellt Dr. Philip Hempel eine Arbeit zur Erkennung eingeschränkter Herzfunktion aus großen EKG-Datensätzen vor. Die Idee dahinter: EKGs gehören zu den am häufigsten erhobenen medizinischen Untersuchungen überhaupt. Wenn KI daraus zusätzliche Hinweise auf die Pumpfunktion des Herzens gewinnen kann, könnte aus einem sehr etablierten Verfahren langfristig ein noch vielseitigeres Screening-Werkzeug werden. Der zweite Beitrag führt vom Herzen in den Schlaf – und von dort zum Gehirn. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Dresden arbeitet Dr. Philip Hempel an der diesjährigen George B. Moody PhysioNet Challenge. Die Challenge beschäftigt sich 2026 mit der Frage, ob sich aus einer Nacht im Schlaflabor Hinweise auf spätere kognitive Einschränkungen finden lassen. Dafür werden Signale betrachtet, die ohnehin während einer Schlafuntersuchung aufgezeichnet werden: Gehirnaktivität, Herzschlag, Atmung und der Ablauf der verschiedenen Schlafphasen. Warum das spannend ist? Bei Erkrankungen wie Alzheimer beginnen Veränderungen im Körper oft lange bevor eine eindeutige Diagnose möglich ist. Gleichzeitig entstehen neue Therapien, die gerade in frühen Krankheitsstadien besonders interessant sind. Je früher gefährdete Menschen erkannt werden können, desto besser lassen sich neue Behandlungsansätze prüfen und perspektivisch einsetzen. Statt also erst dann hinzuschauen, wenn Symptome deutlich werden, lautet die Frage: Gibt es schon Jahre vorher kleine Hinweise in ganz alltäglichen physiologischen Signalen? Damit schließt sich auch der Kreis zum DZHK Retreat. Dort ging es in der Keynote um neurodegenerative Erkrankungen und neue Therapieansätze, bei Computing in Cardiology nun um mögliche frühe Marker. Unterschiedliche Perspektiven, dieselbe Richtung: früher erkennen, besser verstehen, gezielter behandeln. Die Kooperation mit Dresden bringt dabei Schlafmedizin, Biosignalverarbeitung und medizinische KI zusammen. Und genau diese Verbindung macht das Thema so spannend: Vielleicht erzählt uns eine Nacht Schlaf nicht nur, wie gut jemand geschlafen hat .

Weiterführende Informationen finden Interessierte auf der Veranstaltungswebsite: https://cinc2026.org/

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